Metro fahren

Auf dem Weg nach Hause. Ein sehr dünner Mann, sichtlich mehr als angeheitert, steigt ein, fragt, in welcher Tram er sich befinde und ob die demnächst rechts abbiegt. Nachts hab ich so überhaupt gar kein Kurvenverständnis, aus dem Grund brauch ich auch etwas länger, um mir eine Antwort einfallen zu lassen. In der Zeit hat sich der Herr schon ein neues Opfer gesucht, bis er am Ende zum Straßenbahnfahrer geht und sich dort erkundigt. Leider steigt er daraufhin nicht aus, sondern setzt sich neben mich, lehnt sich schon fast an und erklärt mir, wo er aussteigen muss und wo er genau wohnt. Anstatt endlich mal die Klappe zu halten, sabbelt er weiter. „Da wollt ich doch heut nurn Bierchen trinken, bei der Marie, in der Kneipe da…Und da war dieses Mädchen mit was für einer Brust. Fass doch mal an, hatse gesacht, na denn hab ich natürlich angefasst…“ An dieser Stelle finden meine Kopfhörer endlich zurück in meine Ohren. Ich lass den Mann quatschen, bis er aussteigt. Dabei hab ich lange überlegt, ob ich ihm nicht einfach sagen sollte, dass mich das alles nicht interessiert; womöglich hätte er dann aber diskutiert oder es erst gar nicht verstanden.

Da fällt mir noch so eine Story ein: In Innsbruck beim sogenannten Zipfelzeltfest hab ich eine Oma kennen gelernt, die gefühlte 130 Jahre alt war. Sie trug eine riesengroße Sonnenbrille, aber leider hatte sie keinen Mundschutz oder ähnliches (Sie hat so verdammt viel gespuckt beim Reden). Dafür, dass sie so zerbrechlich aussah, hatte sie einen erstaunlich festen Griff, so dass ich gar nicht entkommen konnte und mich bequatschen lassen musste. Ungefähr alle drei Minuten habe ich das wiederholt, was ich bereits sagte und jedes Mal entzückte es sie aufs Neue. Als sie gehen wollte, küsste sie mich zuerst auf die Wange (ungefähr genauso feucht wie das Gespräch zuvor) und drängelte sie sich durch die engen Bankreihen und kippte mir ein Bier über den Latz (bedeutet: nasses Gesicht UND nasse Hose). Ich bezweifle, dass sie davon überhaupt irgendwas mitbekommen hatte.

Die Frage also: Wie gehe ich denn am besten mit betrunkenen alten Menschen um?
Egal, solange sie nicht auf meine neuen Schuhe kotzen, hau ich denen auch keine runter.


1 Antwort auf “Metro fahren”


  1. 1 x 19. August 2007 um 11:41 Uhr

    gib ihnen einfach ein glas milch und entferne dich aufs schnellste… sie werden dir garantiert nicht hinterher laufen :)

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